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Grundzüge der Psychodramaturgie Linguistique (PDL)


Die PSYCHODRAMATURGIE LINGUISTIQUE (PDL) wird seit 1977 von Dr. Bernard Dufeu, Universität Mainz, in Zusammenarbeit mit Marie Dufeu, Centre de Psychodramaturgie Mainz, entwickelt. Sie wird ständig erweitert und vertieft.

Die Psychodramaturgie bietet eine kohärente Praxis an, die ermöglicht, Anfänger und Fortgeschrittene in einer Fremdsprache bis zu einem fortgeschrittenen Kenntnisstand zu begleiten.

Die Entwicklung der Psychodramaturgie soll auch dazu dienen, das Angebot im Fremdsprachenunterricht allgemein zu verbessern, deswegen hat sie eine doppelte Funktion:


no data Die Psychodramaturgie kann in Ihrer "Standardausführung" als einheitliches Unterrichtskonzept benutzt werden. Dann sind Intensivkurse (zwischen drei und sechs Stunden pro Tag) über eine oder mehrere Wochen oder an Wochenenden empfohlen. Die ideale Gruppengröße liegt zwischen 8 und 12 Personen (einige Trainer arbeiten mit größeren Gruppen). Die PDL kann mit einem Trainer oder in einem Zweierteam angewandt werden. Die Verfahren der PDL werden auch im Einzelunterricht eingesetzt.


no data Die meisten Verfahren, Übungen und Techniken der PDL können einzeln in anderen Unterrichtskontexten (Extensivkurse, größere Gruppen) eingesetzt werden. Sie können einen Unterricht bereichern, der mit einem Lehrwerk durchgeführt wird. So können Sprachlehrer ihre pädagogische Praxis mit Unterrichtsformen erweitern, die ihre Teilnehmer ansprechen und die Fremdsprache auf eine lebendige und effiziente Weise erfahren lassen.


Die Erweiterung der Anwendungsbereiche der Psychodramaturgie


Ursprünglich für Erwachsene entwickelt, wird die Psychodramaturgie immer öfter bei Kindern und Jugendlichen angewandt (im extensiven Unterricht und im Rahmen von Projektwochen). Sie wurde in den ersten Jahren ihrer Entwicklung vor allem in Gruppen benutzt, heute werden ihre Techniken und Verfahren auch im Einzelunterricht erfolgreich eingesetzt.


Die Psychodramaturgie bietet


* Verfahren für alle Sprachniveaus


Für jedes Niveau - vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen - bietet die PDL angemessene Verfahren, die in einer kohärenten Progression eingebettet sind.

Im Allgemeinen verfügen echte Anfänger nach etwa hundert Stunden PDL, dies entspricht drei bis vier Wochen Intensivkurs, über eine Ausdrucksfähigkeit und Kommunikationsstrategien, mit denen sie alltägliche Situationen sprachlich bewältigen können.

Für Fortgeschrittene werden zwei Orientierungen angeboten:


no data eine allgemeine Orientierung für die Teilnehmer, die ihre Allgemeinkenntnisse in der Fremdsprache erweitern und vertiefen möchten, so dass sie besser kommunizieren oder die Presse oder Literatur lesen können.


no data eine spezifische Orientierung für die Teilnehmer, die präzise berufliche Situationen beherrschen möchten. Bei Teilnehmern mit guten Grundkenntnissen der Fremdsprache wird eine spezifische Kompetenz in der Fachsprache, um die gängigen beruflichen Situationen zu beherrschen, normalerweise nach etwa sechzig Stunden (dies entspricht vier Wochenenden bzw. zwei Intensivwochen) erreicht.


Die Psychodramaturgie ermöglicht aufgrund des Aufbaus ihrer Verfahren und Techniken eine breite Heterogenität in der Zusammensetzung der Gruppen.


* Verfahren, die teilnehmer- und gruppenorientiert sind


Jeder Teilnehmer wird zum Architekten seiner Sprache.


Die Psychodramaturgie ist Teil einer „Pädagogik des Seins“, die den Teilnehmer als Individuum ins Zentrum des Erwerbsprozesses stellt. Die PDL ist teilnehmer- und gruppenorientiert. Die/der TrainerIn bietet den Teilnehmern einen offenen Handlungsrahmen, der ihren Ausdruckswunsch stimuliert. Die Anfänger bestimmen vom zweiten Tag eines Intensivkurses an selbst die Inhalte ihrer Aussagen. Ausgefeilte Verfahren ermöglichen ihnen, sich immer mehr selbst sprachlich auszudrücken. Sie bekommen nach Bedarf das ihnen fehlende Sprachmaterial von der/dem TrainerIn bzw. in einem fortgeschrittenen Stadium von den anderen Teilnehmern durch spezifische Verfahren (Doppeln, Aufladungsgtechniken) angeboten. Sie erleben die Fremdsprache, indem sie miteinander kommunizieren und erwerben sie dadurch unmittelbar. Sie bekommen so einen direkten Kontakt mit dieser Sprache, so dass eine Einheit zwischen Sprecher und Sprache, zwischen Ausdrucksabsicht und Aussagen entsteht, was den Verstehens- und den Spracherwerbsprozess fördert. Diese Übereinstimmung zwischen den Sprechern und ihren Aussagen erleichtert und fördert den Erwerb der Fremdsprache und erhöht die Lernmotivation der Teilnehmer.

In einem weiteren Stadium des Spracherwerbs wird das Leben der Gruppe in der Zusammensetzung der Übungen und in der Auswahl der Themen und Texte berücksichtigt. Die Teilnehmer werden mit ihrer Realität und ihrer Imagination angesprochen, ohne dass in ihre persönliche Sphäre eingedrungen wird.

Die Psychodramaturgie bietet eine breite Auswahl von Übungen und Techniken an, die dem jeweiligen Niveau der Teilnehmer und der Entwicklung der Gruppe angepasst sind. Sie beruht außerdem auf theoretischen Grundlagen, die ihrer Praxis Kohärenz geben und den Trainern erlauben, außerordentlich effektiv zu sein.

Die Psychodramaturgie unterscheidet sich damit tiefgehend in ihren Verfahren und in dem Umgang mit Teilnehmern von einer „Pädagogik des Habens“, die auf das Vermitteln von Inhalten und auf Ziele gerichtet ist, die in Abwesenheit der Gruppe festgelegt werden, und in der die damit entstehende doppelte Verfremdung (es ist nicht ihre Sprache, es sind nicht ihre Wörter) den Lernprozess erschwert. Dies bedeutet, dass kein Lehrwerk eingesetzt wird, das im Voraus einen Grossteil der sprachlichen Inhalte fremdbestimmt und den Unterrichtsverlauf und die Kommunikationsformen im Unterricht stark beeinflusst.


* einen individuellen Erwerbsprozess in einer Gruppe


Wenn wir den Rhythmus der Teilnehmer respektieren,
kommen sie am besten voran.


Die Psychodramaturgie beruht auf einer Konzeption des Menschen als einzigartigen Wesen, das sich in einem fortwährenden dynamischen Entwicklungsprozess befindet.

Dies bedeutet, dass beim Erwerb einer Fremdsprache Verfahren einsetzt werden, bei denen jeder Teilnehmer seinem Weg und seinem eigenen Rhythmus folgen kann.

Jeder Erwerbsprozess ist an erster Stelle ein individueller Prozess. Die Psychodramaturgie berücksichtigt diesen Aspekt, denn ihre Verfahren stellen sich auf den unterschiedlichen Kenntnisstand und den persönlichen Lernrhythmus der Teilnehmer ein. Dadurch wird ihr Lernfortschritt individuell gefördert.


Jeder lernt von jedem.


Die Psychodramaturgie ist zugleich gruppenorientiert. Nach der Arbeit nach Maß der ersten vier Tage, bei denen jeder einzeln in die Fremdsprache eingeführt wird und vom Monolog zum Dialog übergeht, setzen die Übungen immer mehr Teilnehmer direkt in den Erwerbprozess ein. Die Protagonisten werden nicht nur von der Trainerin sondern auch immer mehr von den anderen Gruppenmitgliedern unterstützt, so dass die PDL nicht nur ein Bewusstsein für Autonomie sondern auch für Interdependenz und Solidarität entwickelt. Unterschiede im Kenntnisstand unter den Teilnehmern werden positiv genutzt.


* eine Atmosphäre des Vertrauens


Entspannungsübungen und Übungen zur Stimulierung der Wahrnehmung schaffen eine Atmosphäre der entspannten Aufmerksamkeit und steigern die Konzentration, die Wahrnehmungs- und Aufnahmefähigkeit der Teilnehmer, wodurch die Entwicklung ihrer Rezeptivität gefördert wird.

Die Teilnehmer können ihre Sprachbarrieren und Sprechhemmungen schnell ablegen und die Freude spüren, sich in der Fremdsprache auszudrücken.

Die Teilnehmer entwickeln zwei grundlegende Fähigkeiten, die zum Erwerb einer Fremdsprache unentbehrlich sind : die Aufnahmefähigkeit und die Ausdrucksfähigkeit. Zugleich werden ihre schöpferische Spontaneität und das Zutrauen, sich in der Fremdsprache auszudrücken, gesteigert.


* Verfahren, die Präzision und Flexibilität verbinden


Die Progression


Folgen statt vorauszugehen


Die Progression beruht beim Einstieg in die Fremdsprache vorwiegend auf relationellen Kriterien. Sie wird unterstützt durch genau aufeinander abgestimmte Übungen, die eine kohärente Gesamtheit bilden. Jede Hauptübung wird durch eine Aufwärmübung vorbereitet. Zwischenübungen sorgen für einen Wechsel zwischen Einzel- bzw. Zweier- und Gruppenarbeit und tragen zur Vertiefung von Kompetenzen bei, die zum Erwerb einer Fremdsprache notwendig sind.

Durch die Technik der Sequenz werden die notwendigen sprachlichen Mittel ad hoc vermittelt, sie folgen dem Ausdruckswunsch der Teilnehmer. Durch den fortschreitenden spiralförmigen Verlauf der Sequenz und durch die Neuaufnahme der Situation mit der Veränderung eines ihres Parameters (Wiederaufnahmeverfahren) wird ein vielfältiger und abwechslungsreicher Gebrauch der neuen sprachlichen Inhalte gefördert, dadurch wird ihre Beherrschung erleichtert. Diese Verfahren fördern zugleich vom Anfang an einen flexiblen Umgang mit der Fremdsprache.

Beim Aufbau einiger Übungen bzw. bei der Auswahl der Themen und Texte in den Kursen für Fortgeschrittene werden dramaturgische Erkenntnisse miteinbezogen, z.B. werden das Prinzip der dramaturgischen Kräfte, die einem Text eine eigene Dynamik geben, das Polaritätsprinzip (die Begegnung von gegensätzlichen Kräften) oder das Resonanzprinzip in den pädagogischen Prozess integriert. Dies trägt zur Dynamik der Teilnehmer und der Gruppe bei.


Die Aussprache


Präzise Verfahren führen in die Besonderheiten des Rhythmus, der Melodie und der Tonalität der Fremdsprache ein, so werden die Teilnehmer leichter mit der Fremdsprache vertraut. Beim Einstieg in die Fremdsprache wird einen besonderen Wert auf die Aussprache gelegt, das Doppeln und der Spiegel ermöglichen eine präzise Wahrnehmung der Eigenarten der Fremdsprache, Gedichte heben rhythmische, melodische und segmentale (lautlich) Besonderheiten dieser Sprache hervor. Gezielte Bewegungen erleichtern das Wahrnehmen und die Reproduktion der spezifischen ausprachlichen Mermale der Fremdsprache. Die verbo-tonale Methode bildet eine der Hauptgrundlagen zur Korrektur der Aussprache.


Die Lexik


Während sich die Teilnehmer in den ersten Tagen mit Hilfe der Techniken des Doppelns und des Spiegelns mit der Aussprache der Zielsprache vertraut machen, bilden sie zugleich einen „Sprachkern“, von dem sie in den weiteren Übungen ausgehen können, um sich in der neuen Sprache auszudrücken. In den weiteren Übungen wird der Wortschatz in ansprechenden Situationen erworben. Durch die Einheit zwischen Sprecher und Sprache, zwischen Sprechern und Ausdruckswünschen, zwischen Situation und Anwendung der Sprache wird der Erwerb der Sprache erleichtert und die Motivation der Teilnehmer angeregt.


Die Grammatik


Die Grammatik ist nicht von der Sprache getrennt. Der Zugang zur Grammatik ist teilnehmerorientiert: Vom Irrtum ausgehend, können durch bewährte Verfahren (u.a. Konzeptualisationstechnik) die notwendigen Regeln von der Gruppe in einer ihnen verständlichen Sprache gebildet werden, bzw. wird bei komplizierten syntaktischen Phänomenen, die grammatikalische Erklärung direkt von der Trainerin gegeben. Irrtümer gehören zum Lernprozess und fördern ihn: Sie ermöglichen die Erkundung der Strukturen und Grenzen der Fremdsprache. Die Grammatik steht in einer Outputposition und führt zu einem lebendigen Zugang zu syntaktischen Problemen (intentionelle Grammatik). Hier auch wird ein Grundprinzip der Sprachdramaturgie berücksichtigt: Folgen statt vorauszugehen.

Zu der Thematik siehe Artikel unter Bibliographie/ ...und die Grammatik und den folgenden Beitrag, der unseren Standpunkt zusammenfasst:


(Inter-)kulturelle Aspekte


werden durch psychodramaturgische Verfahren erlebt und damit von innen wahrgenommen.


* eine Verbindung von Pädagogik und Leben


Wenn es ihre Worte sind, dann kann es ihre Sprache werden.


Pädagogik und Leben bilden eine Einheit. Die Pädagogik bereitet nicht nur auf das Leben vor, sie ist Leben. Dieses Leben drückt sich direkt oder symbolisch auf einer realen bzw. imaginären Ebene aus.

Jedes pädagogische Handeln ist Teil des Lebens und trägt zur Gesamtentwicklung der Teilnehmer bei. Sprache und Leben begegnen sich, so dass eine lebendige Sprache entstehen kann.


* vielseitige Erfahrungen


Die Psychodramaturgie Linguistique (PDL) verdankt ihren Namen einigen Grundlagen und Techniken des Psychodramas (Doppeln, Spiegeln, Rollenwechsel, Gesetze der schöpferischen Spontaneität, Konzepte der Handlung und der Begegnung, die zu einer „Pädagogik der Begegnung und der Beziehung“ geführt haben) und der Dramaturgie (Konzept der dramaturgischen Kräfte, Einsatz von neutralen Masken in den ersten Tagen zur Förderung der Konzentration und einer präzisen Wahrnehmung der Fremdsprache sowie Ausdruckstechniken der Schauspielerausbildung). Wir machen weder Psychodrama noch Theater, sondern wir haben aus diesen beiden Bereichen Erkenntnisse und Verfahren übernommen, die den Spracherwerb fördern, und sie dem Fremdsprachenunterricht angepasst.

Die Psychodramaturgie wird seit 1977 in Deutschland und inzwischen in Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz, der Tschechei und der Türkei angewandt, wo sie sich mehr und mehr verbreitet.


Zur Vertiefung:


Eine ausführlichere Beschreibung der Grundlagen der Psychodramaturgie finden Sie auf dieser Homepage unter



Weitere Hinweise zu den Grundlagen der PDL finden Sie auf dieser Homepage:




Um die Praxis der Psychodramaturgie besser zu verstehen, verweisen wir auf die Beschreibung einiger Etappen eines Sprachkurses unter



Für eine Vertiefung der Grundlagen und der Praxis der PDL empfehlen wir das Referenzbuch der Psychodramaturgie:



© Bernard Dufeu, 2002.